18. Juli 2010

BDK fordert Notschalter für das Internet... das schmerzt!

Der Bund deutscher Kriminalbeamter fordert weitreichende Befugnisse und einen Notschalter für das Internet. Neben einigen vernünftigen Forderungen zeigt auch der BDK sehr deutlich, daß er keinerlei Kernkompetenz zum Thema Internet hat.


Diesen Artikel in der Neuen Osnabrücker Zeitung werde ich nun zerpflücken...
„Was wir brauchen, ist ein verlässlicher Identitätsnachweis im Netz. Wer das Internet für Käufe, Online-Überweisungen, andere Rechtsgeschäfte oder Behördengänge nutzen will, sollte sich zuvor bei einer staatlichen Stelle registrieren lassen müssen.“
Ahja, gerade der Käufer (oder User) ist nun der Böse? Wie weit hergeholt ist das denn? Anders herum wird ein Schuh draus. Wer, so wie ich, viele Jahre im Internet-Verbraucherschutz aktiv war, wird stutzen. Das Netz ist voll von Betrügern, unseriösen Anbietern oder Anbietern, bei welchen die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Kundendaten fahrlässig gehandhabt werden. Und der BDK zeigt mit dem Finger auf den Verbraucher. Das ist an Inkompetenz nicht zu überbieten!

Jansen forderte die Bundesregierung auf, endlich „Verkehrsregeln“ für das Internet zu schaffen: „Inzwischen steht das Gewaltmonopol des Staates auf dem Spiel.“ Das Internet habe sich zum größten Tatort der Welt entwickelt und die Bundesregierung verharre immer noch in der Zuschauerrolle. „Kompetenzgerangel, Unvermögen und Blauäugigkeit führen zu unfassbarem Politik-Versagen.“
Wie soll die Bundesregierung "Verkehrsregeln" schaffen wenn die Minister und deren Berater vom Thema soviel Ahnung haben wie die Kuh vom Sonntag? (siehe Button-Lösung bei Abofallen). Wie schon richtig bemerkt wurde, das Internet ist der größte Tatort der Welt. Und da meinen sogenannte Experten, man kann dort virtuell eine Staatsgrenze mit Notschalter einbauen?! 
Die Kriminalbeamten verlangen auch klare „gesetzliche Befugnisse für offene und verdeckte Ermittlungen im Internet, speziell in sozialen Netzwerken wie Facebook, SchülerVZ oder Twitter“.
 Jau, Twitter, Facebook und fast alle anderen sozialen Netzwerke befinden sich im Ausland. Und wie man sehr schön an der Lachnummer Aigner gegen Facebook gesehen hat, werden die sicherlich alle mitziehen. (Das war Ironie!)
Zudem solle die Polizei das Recht bekommen, „Trojaner, Viren und Schadprogramme von privaten Rechnern entfernen zu dürfen“, die zuvor von Kriminellen unbemerkt gekapert worden seien.
Jetzt verkommt es vollends zum Slapstick. Aus der Ferne, ohne Zutun des Nutzers Viren und Trojaner zu entfernen ist utopisch, außer man erlässt vorher ein Gesetz, welches das Betriebssystem inklusive "amtlicher Zugangsmöglichkeit" festlegt. So weit ist nicht einmal China. Die andere Möglichkeit wäre eine Internetpolizei. Szenario wie folgt:

Ping-Pong. Zwei pickelige Herren im Nerd-Anzug stehen vor der Tür. "Gestatten, Müller und Schulze von der Internetpolizei. Wir haben den begründeten Verdacht, daß Ihr PC verseucht ist. Wir sind verpflichtet, ein Backup zu ziehen und den Rechner danach zu formatieren. Kostet Sie 120 Euro und 4 Punkte im Internetzentralregister. Ausserdem müssen Sie zur Internet-Nachschulung."

OK, das war jetzt alles böse, zynisch und lästerhaft. Aber bei derart viel Müll kann man nicht anders. Gut, versuchen wir mal einen realistischen Ansatz:

Wie wäre es, wenn alle Internetprovider ihre Internetzugänge auf NAT-Basis mit vorgeschalteter Firewall inkl. WOT-Schutz umstellen? Ein derart "kastrierter" Zugang sollte für den Großteil der Nutzer ausreichen. Zudem auch ein Kinderschutz prima integriert werden könnte. Dieser Zugang sollte dann als Standard voreingestellt sein. Nur jemand, der weiß was er tut, sollte ihn dann z.B. über das Kundenmenü des Providers lockern oder ausschalten können. Eine derartige Umstellung würde den Großteil von Schaden durch Viren, Trojaner und Spamversand wirkungsvoll ausschalten. Auch könnte man Warnmeldungen, z.B. durch aktive Ports, Peer-2-Peer-Aktivitäten usw. verschicken. Das ist alles nicht utopisch, sondern bereits marktreif. Es bräuchte nur den Willen der Provider und der Politik. Dazu klare Regelungen für Internetgeschäfte, welche im Prinzip bereits über das BGB abgesichert sind. Ach ja, und in der Schule auf die Gefahren des Netzes hinweisen.

So, das war doch nicht kompliziert... oder? Aber anscheinend wird lieber versucht, den mündigen Bürger zu gängeln und die echten Gefahren zu ignorieren. Und so zeigt sich wieder, hektische Betriebsamkeit ersetzt geistige Windstille. Setzen. Sechs!

3 Kommentare:

  1. Echt lächerlich das ganze.

    Siehe auch die ganzen Kilelrspieldebatten da haben die auch garkeien Ahnugn davon aber immer etwas gleich zum Sündenbock machen.

    Klar passiert im Internet "pöse" Sachen.
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  2. @GGTFabian
    Hast Recht! Du würdest ja jetzt auch nicht Minister für Rechtschreibung werden oder so!
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  3. http://www.daserste.de/mediathek_blank/play.asp?cid=139740
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